Januar 2019: Erik beginnt die Arbeit an den Eichentüren

Es riecht, als wäre eben im Steinofen gebacken worden. Meine Nase erinnert sich an Röstaromen von Weizenmehl und Hefe, damals auf dem Hof Lüdtke-Jüdefeld in Münster.

Gott, ist das lange her, als „Tante“, die unverheiratete Schwester des Bauern, dort zweimal die Woche je vier Riesenlaibe Brot für die große Familie aus dem Ofen zog. Auf jede Scheibe passten drei Spiegeleier. Am Ende eines langen Arbeitstages war das nichts weniger als ein Nasenorgasmus: das Brot, der Speck, die knusprig gebratenen Eier. Wobei, ich war anfänglich neun oder zehn oder so. Na jedenfalls war es ein wirklich gutes Gefühl.

Doch es ist: Eiche. Eichenmehl, frisch gesägt, um genau zu sein, das hier in der Luft hängt. In Eriks Werkstatt. Mehl von fünf Jahre lang an der Luft getrockneten Eichenbohlen. Von einer Eiche, die vermutlich älter ist als ich.

Acht Bohlen von je 3 Metern Länge und 5 Zentimetern Stärke, quer durch den Stamm gesägt, unbesäumt, hat Erik beim Weckesser ausgeguckt und bestellt. Der „Weckesser“ ist kein Vogelsberger Waldkobold, sondern der Holzhändler Heinrich Weckesser. Hoch oben im Vogelsberg, in Schotten, Ortsausfahrt Hoherrodskopf, nach 500 Metern links.

Beim Weckesser kriegst Du noch die Spezialitäten und Sonderposten, für die die großen und modernen Holzhändler mit so schönen Namen wie „Systemholz Altenstadt“ keine Zeit und keine Nerven mehr haben. Große Sägewerke, große Händler, keine Zeit. Kleine Sägewerke, kleine Händler, Liebe zum Kunden. Ein kurze Grundausbildung im Sägewerkshandwerk ist im Preis mit drin. Denn das ist er, der Heinrich: gelernter Sägewerksmeister.

Erik, der Tischler unseres Vertrauens, kauft nicht einfach eine Eiche am Telefon. Er fährt hin und und befingert sie mit den Augen, beäugt sie mit seinen Händen. Er tritt ganz nah an alle verdächtigen Stellen heran, schaut abwechselnd mit und gegen das Licht darauf und murmelt. Murmelt vermutlich magische Formeln seiner Druiden-Vorfahren. Da sind Astlöcher, Faulstellen und vor allem Trocknungsrisse. Die ziehen sich nicht nur an der Breit-, sondern – heimtückisch – auch an der Schmalseite durch das Kernholz.

Risse, Löcher, Flecken, Faulstellen und: Splint, also der junge, helle, noch nicht verhärtete äußere Ring um das Kernholz, müssen auf der Säge abgetrennt werden. Aus den anfänglich stolzen Bohlen werden so ganz banale Kanthölzer von sechs bis 12 Zentimetern Breite. Es sind diese Filetstücke, die das Tischlerherz am Ende höher schlagen lassen.

Der Rest, etwa die Hälfte der rund 800 Kilo Ausgangsmenge an Eiche, die wir geholt hatten, ist – zumindest was das Türprojekt angeht – Abfall. (Ist er natürlich nicht, wir haben schon Ideen …).

Die Filethölzer legen wir nach dem Besäumen und Auftrennen der Bohlen auf Böcke, zum Kantholzprobeliegen press aneinander, so dass wir sehen können, wie viel wir in der Breite zusammen bekommen.

Die Bohlen stehen zunächst an der Wand, jede so um die 100 Kilo schwer.Wir wuchten sie auf den Schlitten der großen Kreissäge. Das Blatt hat mit extra hartem Stahl quer verstärkte Zähne. Jedes normale Sägeblatt wäre nach der ersten Eichenbohle fertig und viele der geschränkten Zähne abgerissen. Das „Schränken“ eines Sägeblattes bedeutet: dessen Zähne abwechselnd nach links und rechts zu biegen, damit der Schnitt breiter wird als das Blatt dick ist.

Unser Extra-Blatt geht durch die Bohlen wie ein warmes Messer durch Butter. Mit dem Schlitten fahren wir die Bohle über das Blatt. Ich weiß nicht ob Säge oder Bohle. Aber sie schreit. So laut, dass wir Ohrschützer tragen. Sie schreit, im Duett und um die Wette mit der Absauganlage.

Der erste Schnitt trennt Rindenreste und Splint ab. Aus der konischen Baumform wird ein Rechteck. Nach jedem Schnitt fahren die Tischlerhände zärtlich über die Schnittkanten. Mit einem Messer werden Risse vertieft, Weichstellen bis auf den Grund aufgepult. Eriks strenge Blicke dulden keine Schwachstellen, die später das Auge beleidigen oder die Stabilität der Tür beeinträchtigen könnten. Bestreichelt, bepustet, bekratzt: So viel Aufmerksamkeit, nein: Liebe!, hat die hübsche Eiche lange Jahre nicht mehr erfahren, wenn denn je.

Mit dem Auftrennen der Bohlen löst sich manche Spannung im Holz. Eben noch kerzengerade geschnitten, verziehen sich die Hölzer wieder. Deshalb stehen für das Holz zunächst ein paar Ruhetage auf dem Programm, was Erik ihnen aber noch nicht verrät. Bis zum Hobeln jedenfalls ist es noch etwas hin. Der Hobel wird den Kanthölzern auf jeder Seite weitere vier Millimeter abnehmen, bis alle Unebenheiten beseitigt sind. Danach pressen sehr lange Schraubzwingen die verleimten Teile aufeinander und ziehen alles dann noch Krumme gerade.

26 Kanthölzer sind die Frucht dieses Nachmittags in der Tischlerei. Wir rücken sie zum Nachtrocknen noch etwas auseinander. „Wir geben ihnen ein paar Tage, damit sie sich austoben können,“ sagt Erik. Höre ich die Hölzer jubeln?

Es dauert, bis die Zentrifuge der Absauganlage sich müd‘ gelaufen hat. Ihr Gesang schraubt sich gleichmäßig vom Falsett zum Bass und von Fortissimo nach Pianissimo herunter. Ihr Auffangsack ist fast voll, sie hatte ganz schön zu schlucken.

Die letzten Flocken im transparenten Auffangsack hören auf zu tanzen. Licht aus, Tür zu. Jetzt wird sich der feine Staub in Ruhe absetzen. Morgen früh wird der Duft von frischem Eichenvollkornbrot verflogen sein.

 

 

Foto: Eichenbohle vor dem Ausbeinen.

Zum Jahresende: Von Nachbarn und Maskottchen

Wir haben Baustellentouristen. Die kommen von überall her. Zum Beispiel aus Frankreich. Oder aus der Politik. Oder aus dem Ort. Dann gibt es eine spontane Führung. Die wichtigste Frage ist immer dieselbe: Wann gibt es den ersten Schnaps?

Wir haben Baustellenmaskottchen, Die wohnen nebenan und kommen ganz oft vorbei. So vieles aus ihrem Leben ist noch nicht erzählt. Hier können sie es auspacken.

Und wir haben Baustellennachbarn, sehr sehr liebe. Kai und Verena auf der einen, Matze und Martina auf der andern Seite. Bei Matze und Martina wohnen außerdem viele Rinder, Pferde und der Storch. Der hatte uns im Frühjahr ganz schön ‘was geklappert.

Martina zieht gerade ein Kalb auf, das von seiner Mutter nicht angenommen wurde. Ein Raabe, gefangen im Körper einer Kuh, die Mutter. Der kleine Paul ist so klein, dass er durch die Stäbe der Stallgitter passt. Gerade noch so. Dann stromert er über den Hof, klaut den andern Heu nach Herzenslust und hält hier und da Schwätzchen. Paul darf das. Der hatte es schwer genug.

 

Foto: Paul, das verwaiste Kalb vom Nachbarhof, im Hauptberuf Ausbrecherkönig.

Weihnachten 2018: Die Baustelle ruht - nach einem langen Jahr

21. Dezember, ein Donnerstag. Unser Helferfest. Gut 30 Männer und Frauen sind nach der Arbeit kurz nach Hause gefahren, duschen, umziehen, und dann ab zum Auenlandhof, zu uns.

Es gibt: „Glühwein Spezial plus“, vom Bauherrn angerührt. Der „Spezial plus“ ist: ein Teil Lidl-Glühwein und ein Teil Schnapsreste, die sich übers Jahr so angesammelt haben. Und ab uns zu etwas Orangensaft beigekippt, für die Statistik. Dazu Rehbratwürstchen im Brötchen vom Grill. Das Beste, was ein Wetterauer Reh aus unserem Revier werden kann.

Melli hat für die „Preisträger“ vom Helferfest Weihnachtsgebäck und ein Glas Rehleber-Marmelade schön verpackt. Als Preisträger küren wir u.a. die „Größte Baustellen-Pussy“ (hier kein Name), die „Schärfste Baustellenfrisur“ (Mario), die „Goldene Arschkarte“ (Nico), weil er immer mit Ernst arbeiten muss, das „Größte Unsiversalgenie seit Leibnitz“ (Opa Gerd) usw. Da ist praktisch für jeden ‘was dabei.

Um drei Uhr morgens, es ist der letzte Freitag vor Weihnachten und der erste baustellenfreie Werktag seit Jahresanfang, sitzen Melli und ich schließlich allein in unserer werdenden Weinklause, ganz nah bei unserem neuen Mitbewohner Bruno. Wir sind hundemüde, knülle und glücklich. Wir schauen uns um und sehen heute ausnahmsweise mal die vielen Fortschritte, und nicht wie sonst immer die vielen tausend Handgriffe, die noch vor uns liegen.

Bruno ist pechschwarz und hat, wie man leicht erraten kann, Migrationshintergrund. Vor allem aber hat er 14 Kw Heizleistung. Er ist hauptberuflich Konvektions-Kaminofen aus Tschechien, der der Weinklause ordentlich einheizt, obwohl das Scheunentor noch nicht mit verglastem Fachwerk verschlossen und der neue Nebeneingang auch nur mit einer Decke abgehängt ist. Die wichtigsten Teilprojekte, die wir nach dem starken Sommer mit unseren Helfern im Herbst angepackt haben:

Jurek und seine drei Jungs (Karol, Andrzej, Marek) haben den Innenausbau im Haupthaus fast abgeschlossen. Sechs Nasszellen neu angelegt, alle Decken und Böden neu, die Fenster entweder neu oder restauriert, die alten Dielen abgeschliffen, neue verlegt, den Seminarraum einmal auf links gedreht. Wir reden hier über runde 300 qm Wohnfläche allerfeinste Handwerkskunst.

Elektro-Mantel hat uns eine neue Verteilung fast fertig gemacht.

Ernst und Nico haben den Ziegelbau neu eingedeckt, Gauben draufgesetzt, die Fassade verkleidet, den Carport abgerissen, Zwischendecken gebaut usw.

Murat und ich haben gepflastert, betoniert, aufgegraben und wieder zugeschüttet. Drei Tage vorm Helferfest der Höhepunkt der groben Arbeiten: Nidder-Beton liefert 7 Kubikmeter WU-Beton, mit dem wir den Boden der Weinklause ausgießen.

Melli hat ein Auge darauf, dass alles schön wird, und nicht nur stabil oder dicht oder trocken. Was ihr den Beinamen „Die Chefin“ eingetragen hat. Nur flüsternd und mit ängstlich flackernden Blicken wird sie von den Männern auf der Baustelle hinter vorgehaltener Hand so genannt. Und der Renovierung der Fachwerkfassade der großen Scheune hat sie sich angenommen, trotz der längst beißenden Kälte. Ist richtig chic geworden.

Opa Gerd, nimmermüder und am schlechtesten bezahlter Held der Arbeit, hat nach der Rekonstruktion der Chinesischen Mauer (Außenwand Destille) und der Erneuerung des Kamins im Ziegelbau den alten Kälberstall in eine Damen- und eine Herrentoilette verwandelt. Sanitär- und Elektroinstallation eingeschlossen. Nebenbei werden von ihm im Hintergrund tausenderlei Werkzeuge repariert oder besorgt, T-Träger geschweißt und ab und zu Mettbrötchen besorgt.

Firma Velten & Söhne hat sich der alten Zentralheizung erbarmt, sie modernisiert und erweitert.

Mein Gott, so viel ist passiert. Noch mehr ist gar nicht erwähnt. Und es will und will kein Ende nehmen. Aber: Schön wird das. Wir dürfen froh und dankbar sein, wie wir durch dieses Jahr gekommen sind. Allen Helfern sei Dank! Weihnachten kann kommen. Prost mein Liebling.

 

Foto: Wenn dieses Helferfest mal nicht eine heimliche erste Einweihung gewesen ist. Die Kerzen brennen noch, obwohl schon alle gegangen sind.

Novemberregen, keine Sau mehr da

Du darfst Dich an bestimmten Tagen nicht unterkriegen lassen. Schon gar nicht von einer Gewindestange. Auch wenn Sie es beharrlich versucht und starke Argumente auf ihrer Seite hat.

An Tagen, die Scheiße anfangen, solltest Du den ersten Satz ganz besonders beherzigen. Wenn es beispielsweise Ketten regnet. So dass draußen nicht gearbeitet werden kann. Oder nur etappenweise. Lange, teure Pausen halten Deinen Pflasterer vom Arbeiten ab. Und die Jungs, die an der Fassade stehen und streichen sollten.

Dann teilt Dir der Elektriker mit, dass alles fertig ist für den Schaltschrank der Destille. Nur ein einzelnes Bauteil fehlt noch. Drei Wochen Lieferzeit. Vielleicht. Jetzt kommt auch bald Weihnachten, Winterferien, …, kann dauern.

Anruf: Der Sanitärbetrieb kann einen Termin Anfang der Woche nicht halten. Monteur und Sohn sind erkrankt.

Vermutlich ist das ein Tag, an dem sich später noch ein oder zwei Leute krank melden.

Das Kaffeepulver ist alle. Plötzlich. Wer hat so viel Kaffee gekocht?

Jemand hat die letzten Kaubonbons aufgegessen!

Eine Materiallieferung, die im Trocknen stehen muss, steht seit Stunden im Regen. Keiner hat‘s gemerkt.

 

Heute war so ein Tag, oder jedenfalls so ähnlich. Um zwei Uhr war schon keiner mehr auf der Baustelle.

Ein guter Zeitpunkt, um eine knifflige Sache im Dach der großen Scheune anzugehen. Dort haben drei Teilstücke der Traufpfette angefangen, sich nach oben durchzubiegen. Weil sie Holzwürmer haben, morsch sind, teilweise ausgesägt worden waren für einen Kamindurchlass, teilweise mal lange feucht gewesen waren. Und weil die Statik der Scheune eh im Eimer ist bzw. war und deshalb lange zunehmender Längsdruck auf dem Gebäude lag.

Zimmerleute heilen das, indem sie unter einen solchen (kurzfaserigen) Eichenbalken von beispielsweise vier Metern Länge einen zweiten (langfaserigen) bspw. aus Douglasie legen, beide durchbohren, lange Gewindestangen durch die Bohrlöcher schieben und von beiden Seiten ordentlich mit dicken Unterlegscheiben und Muttern verschrauben.

So habe ich mir das abgeguckt und will es beim zweiten Mal selbst machen. Das liegt jetzt, Mitte Dezember, vier Wochen zurück. Denn die Bohrlöcher hatten sich verschoben, die Gewindestangen gingen nur mit Gewalt rein. Da das Ganze im Kniestock des Daches stattfand, war praktisch kaum Platz zum Hämmern. Als die 22er Gewindestangen schließlich durchgeprügelt waren, waren die Gewinde längst kaputt. Also sinnlos, der stundenlange Kampf.

Weil mir dazu nix mehr einfiel, hatte ich das vor ein paar Woche so liegen lassen und eine andere Arbeit aufgenommen. Eher: hingeschmissen. Das Werkzeug lag in erstklassiger Leckmichamarsch-Haltung noch da, wo ich es hingeworfen hatte. War da eine Beule in der neuen Decke?

Wenn Du Dich auf Eines verlassen kannst auf der Baustelle, dann darauf, dass die Arbeit nicht wegläuft. Sie wartet auf Dich. Du weißt es. Sie weiß es. Sie lächelt. Du nicht.

Heute also, an einem Tag, der sowieso komplett Scheiße lief, musste es sein:

Mit einer feinen Eisensäge die Gewinde nachschneiden. Im Kniestock. Was für eine ...

Die riesige Hutmutter, die vor ein paar Wochen die Schläge abbekommen hatte, bricht ab, und hinterlässt eine Gewindestange ohne Gewinde.

Um die Stange im Bohrloch, wo sie sich verklemmt hat, drehen zu können, bohre ich ein Loch durch die Stange und stecke einen Bolzen rein, der sich aber um die Stange wickelt, statt die Stange zu drehen.

Jetzt stecke ich einen kurzen, spröden Stummel (einen der vielen abgebrochenen Bohrer) in das frisch gebohrte Loch in der Stange, und das endlich gibt der großen Pumpenzange Grip. Bald schaut die Stange oben wieder raus.

Ich flexe einen Zentimeter ab; in den restlichen Stumpf säge ich mit einer kleinen Eisensäge einen neuen Gewindeanfang.

Die Mutter … greift! Das verf…. Ding hat verspielt.

Vier dicke Muttern auf den vier Enden der zwei Gewindestangen zwingen die beiden Pfetten aufeinander. Mit Gewalt und Hebelkraft (eingespielter O-Ton Opa Gerd: „Unendlich ist des Schlossers Kraft, wenn er mit dem Hebel schafft!“ Er hat ja so Recht.) wird der dicke, krumme Eichenbalken wieder etwas flacher.

Fest verbunden mit seinem neuen Kumpel aus Douglasie werden die beiden jetzt alle auf ihnen ruhenden Dachsparren sicher durch jeden Sturm tragen.

Fünfmal hätte ich das Werkzeug heute wieder in die Ecke werfen oder besser noch jemanden damit erschlagen wollen.

Doch am Ende hat der Scheißtag verspielt. Scheißtage haben immer etwas weniger Ausdauer als Du. Solange musst Du dranbleiben. Unsere Baustelle ist eine strenge Lehrerin.

 

Foto: Er hat es auch geschafft – unser Hofbrunnen. Lag Jahrzehnte unter der Erde. Seine Geduld hat sich ausgezahlt. Jetzt trägt er seinen Kopf wieder über dem Pflaster.

November: Die Weinklause erhält eine Decke

In Birstein-Wüstwillenroth, kurz vor dem bekanntermaßen im Hohen Vogelsberg liegenden Ende der Welt, haben wir ein Sägewerk entdeckt, so ein kleines, feines, das sich von den Großen noch nicht verdrängen lassen will.

"Die großen Sägewerke in der Umgebung sägen an einem Tag so viel, wie wir in einem ganzen Jahr." Sagt Martin Muth, Alleineigentümer in dritter und letzter Generation. Ein bisschen grimmig, ein bisschen trotzig stemmt er sich mit Arbeitseinsatz, Kundenliebe und besonderer Flexibilität gegen all die neuen Technologien und Größenordnungen. Doch für Investitionen reichen Kraft und Lebensarbeitszeitperspektive nicht mehr aus. "250.000 EUR für eine  Trocknungsanlage, die können wir hier nicht mehr einspielen." Vor seinem inneren Auge entsteht das Bild einer Obstwiese an Stelle des Firmengeländes, das über einen Hektar groß ist. Sein Wohnhaus steht direkt daneben.

Hier werden Hölzer aller Art aus der nahen und fernen Umgebung auf kurzfristige Bestellung durch das Sägegatter mit seinen bis zu zwölf Sägeblättern geschoben. Wenn es sein muss, auch mal "Mondschläge", also Bäume, die bei einer bestimmten Mondstellung eingeschlagen wurden. Spezialitäten, die in den Produktionsplänen der großen Sägefabriken keinen Platz mehr finden.

Wir finden für uns: einen Hub Schwartebretter und einen weiteren frischer Schalbretter für kleines Geld, aus denen Ernst und Nico in den nächsten Tagen der Weinklause eine Decke basteln. Muth sei Dank.

 

Foto: Rollgerüst rollt uns durch die Weinklause.

Oktober 2018: Die Brennblase ist fertig

Eine magische Maschine, die aus übel riechender Maische Schnaps machen soll, steht jetzt in Stuttgart bei der Firma Carl zur Abholung bereit. Sie wurde generalüberholt, von Diesel- auf Elektroheizung umgerüstet und ein bisschen aufgehübscht. Am 20. November fahren wir sie holen.

Währenddessen hat Jureks Viermanntruppe im Gästehaus das Kommando übernommen. Jetzt kommt noch mehr Schwung in den Innenausbau. Neue Böden, neue Wände, ein frischer Anstrich auf den frischen Putz. Mit großer Sorgfalt und angenehm flott arbeiten die Kollegen sich von oben nach unten durch die zehn Zimmer und neun Nasszellen im bunten Gästehaus und scheuchen dabei die Elektriker vor sich her. An guten Tagen arbeiten ein Dutzend Mann verteilt auf dem ganzen Gelände - herrlich :-))

Melli ist inzwischen wieder fitter. Unser guter Geist Sigi, Wahloma unserer Jüngsten, nimmt Frida an ein bis zwei Tagen zu sich, so dass die Chefin endlich mit farbigen Fingern nach Haus kommt. Danke, Sigi!

 

Foto: Destille, generalüberholt, ohne Namen, noch in der Werkhalle der Fa. Carl in der Nähe von Stuttgart.

September 2018: Es geht voran

Der lange Sommer kommt wie bestellt. Wir haben genügend Zeit für die vielen Außenarbeiten. Bis November werden alle großen Open-air-Gewerke abgeschlossen: der verlängerte Dachüberstand (+ 1 Meter) samt Dachrinne die 30 Meter entlang der Rückseite der großen Scheune; Abriss des Carports; Dach und Fassade des alten Gesindehauses neu; Reinigung, Abdichtung und Neuanstrich der Fassade der großen Scheune; Ausbaggern des Vorgartens, Anlage von 13 Parkplätzen entlang des Gartens.

Das wissen wir im September noch nicht: Das Wetter hält bis 9. November. Einen Tag später kommen die ersten ergiebigen Regenfälle seit Langem. Und bei uns wird nur noch Innen gearbeitet.

 

Foto: Heinz hat kurz Pause. Er ist beim Parkplatzbau unser bester Freund.

27. August: Wir kommen ins Radio

Die Wetterau wirbt Ende August für sich auf einer Veranstaltung für Städter, die die Nase voll haben. Von der Massenmenschhaltung in Städten. Der HR greift im Vorfeld "Erfolgsbeispiele" auf. So kommen wir ins Radio.

"Erfolg ist keiner der Namen Gottes", hat Torsten Bardohn immer gesagt. Den muss man nicht kennen, aber es ist auch nicht schlimm, wenn man es tut.

Und jedenfalls ist Erfolg ja eigentlich erst hinterher. Wenn überhaupt. Doch Wetterau-Korrespondentin Ann-Kathrin Hofstrat findet, dass auch der Weg zum Ziel schon einen O-Ton Wert sei. Na dann :-). Im Bild: hr-info-Mikro, Ann-Kathrin, Buntes Haus.

 

 

August 2018: Strom aus dem Kupferrohr

Die Destille hat jetzt ein gegossenes, chic in Anthrazit gefliestes und mit alten Betonornamentfliesen aus Erwins Hinterlassenschaft gesäumtes Podest für die Brennblase. Die gusseisernen alten Stützen sind abgestrahlt, geschliffen, gebürstet, gewaschen und schließlich mit Acryl-Klarlack gestrichen.

Fa. Mantel hat sich um die nicht ganz triviale Elektroinstallation verdient gemacht. Die sollte nicht nur bis zu 34 Kw Leistungsaufnahme der neuen Destillen-Elektroheizung darstellen können, sondern außerdem den Solarstrom vom Dach (10 Kw) vorrangig verwerten und ganz nebenbei noch toll aussehen. Kabel auf Naturstein? Das muss nicht sein. Kabel in Kupferrohren auf Naturstein? … So sollte es schließlich sein.

Im September baut unser Schwiegersohn Jürgen Wolf mit seinen Leuten die Solaranlage zuende. Ein Stück Autarkie, auf das wir uns sehr freuen.

Die beiden neuen Verteilerschränke im Erdgeschoss des Gästehauses, die den von der OVAG auf 100 Ampere hochgerüsteten Hausanschluss managen, machen den Eindruck, als könne man damit mehrere mittelständische Betriebe elektrisch versorgen.

Im Bild: frisch restaurierte Innentür der Destille erzählt einem Kalendermädchen Geschichten von Vergänglichkeit und Mut.

9. August: hoher Besuch

Es ist Wahlkampfzeit; die Schwalben fliegen tief und die hohe Politik wird volksnah. Lucia Puttrich, Staats- und Europaministerin des Landes Hessen, stammt aus dem nahe gelegenen Nidda und besucht ein paar Betriebe und Initiativen in ihrer Heimat. Zum Auftakt trifft sie Familie Michels, Vater Hans und Sohn Marc, die große Landwirtschaft aus Ober-Mockstadt. Bei denen holen wir unser Einstreu. Den Ausklang der Tour bildet das neue „Haus der Begegnung“ bei uns im Ort.

Zwischendurch serviert der Auenlandhof Rehgoulasch, selbst geschossen und zubereitet. Die Jungs auf dem Dach arbeiten zur Feier des Tages oben ohne.

Lucia klettert munter wie eine Gazelle über alle Hindernisse ringsum, informiert sich über unsere Vorhaben, spendet Zuversicht und lässt es sich schließlich munden. Im Juni 2019 will sie wiederkommen. Dann feiert der Förderkreis Oberhessen sein Dreißigjähriges.

Im Bild: Ministerin Puttrich, Entourage, Bauherr (in Rot).

https://www.kreis-anzeiger.de/lokales/wetteraukreis/ranstadt/puttrich-heute-in-ranstadt_18984506

Juli und August 2018: ein Dach hebt ab

Die Weinklause drängt in den Vordergrund. Bis Juli hatten wir sie übergangsweise als Materiallager missbraucht. Jetzt wird sie ausgeräumt und ausgebaggert. Firma LKI hatte im Juni schon die Außenwand zu den Nachbarn erst aus- und dann wieder aufgebaut. Sehr beeindruckend, wenn Zimmerleute mit Hilfe ganzer Baumstämme und dicker Hämmer ein Dach anheben, um die tragende Wand darunter wegzunehmen, damit faule Balken usw. ausgetauscht werden können.

Nach den Reparaturarbeiten durch LKI werden nun innen alle Wände gesäubert, abgepickelt, grundiert, teilweise verputzt, ansonsten tief verfugt; die innen liegenden Gefache fliegen raus und werden mit alten Ziegeln neu aufgemauert. Der Boden wird 40 cm tief ausgebaggert, mit Mineralgemisch neu aufgefüllt. Fundamente für die Theke, die Feuerstelle usw. werden aus Beton gegossen. Die alten Ziegelfliesen, die wir aus dem Dachboden des Gästehauses ausgebaut und gereinigt hatten, finden als Belag unter der Theke eine neue Heimat. Schwellenstufen aus Sandstein werden neu gesetzt. Ein Durchbruch zur Seite öffnet eine vierte Tür in die Weinklause. Der gemauerte Bogen darüber – ein Kunstwerk, das Opa Gerds und O.‘s Handschriften trägt.

Das Eichengebälg wird ausgebürstet, abgestrahlt, mit „Holzwurmtod“ bepinselt und schließlich versiegelt.

Wir rätseln, wie wir den Boden machen wollen. In Holzpflaster?

 

Im Bild: 180-Grad-Foto vom Gerüst in der Destille aus in die Weinklause hinüber. Unsere drei Mädels im Hintergrund bei einer Begehung.

Juli 2018: „30 Jahre Garantie“

Und dann kam O. Ehemaliger Rockerkönig der Wetterau, Geldwäscher, Schutzgeldsammler, Türsteher, Cannabisfarmer und was nicht alles. Für diesen Mann wurde vor 20 Jahren das Kerbholz erfunden.

Vor allem aber ist O.: Fliesenleger mit einem ausgeprägtem Hang zur Perfektion. Oder, wie sein WG-Genosse Alex sagt: „Beim O. hat jede Fuge einen Namen“. Inzwischen wissen wir, dass er gegen Feierabend jede mit einer eigenen Melodie in den Schlaf summt.

„Ich geb‘ 30 Jahre Garantie auf meine Arbeit!“ Das sagt sich leicht, denkt der Bauherr, wenn man raucht, 150 Kilo wiegt, gelebt hat wie Du und auf die sechzig geht. Vielleicht zehn Jahre Garantie weniger, und dafür ein bisschen schneller ...?

Nein. O. Hat sein Tempo. Was immer genau das eine aus den Zwängen des technischen Sachverhalts heraus richtige Tempo ist. 30 Jahre Garantie und so.

Was O. abliefert, das kann sich am Ende wirklich sehen lassen. Unser neuer Blickfang im Hof: Die Treppenwangen aus italienischem Bruchgranit in „Bologna-rot“, die so wunderbar mit den roten Sandsteinstufen Duett singen. Das hätte man der Treppe nicht mehr zugetraut. O.: Du bist – gleich nach Opa Gerd – der Zweitgrößte!

 

Im Bild: O.‘s Treppe

 

 

 

Juli 2018: „Die Arbeit findet Dich“

Opa rödelt weiter. Opa Gerd, Vater der Chefin und eigentlicher Bauleiter, Opa also, der nicht nur alles kann und alles weiß, sondern obendrein sehr gern sein Wissen auch allgemein zur Verfügung stellt, widmet seine Energie nach Fertigstellung der „Chinesischen Mauer“ (= Rekonstruktion der zerlegten Außenwand der Destille) und des Kamins vom Gesindehaus nunmehr dem Sanitärbereich von Destille und Weinklause.

Decke abreißen, Putz abschlagen, Natursteine säubern, alles Abstrahlen, Grundieren. Boden ausschachten. Anschlüsse legen. Fenster raus, neues Holzfenster bauen, montieren. Fensterwangen verputzen. Fensterbank neu anlegen. Anschlüsse in die Weinklause fortführen, Einlassungen in die Mauer neu verputzen und auskleiden, die sich wegneigende Trennwand zur Weinklause mit einem gigantischen selbst geschweißten Winkel fixieren. Gibt wirklich nichts, was er nicht kann.

Seine Helfer kümmern sich um: Betonierung des Bodens („Ich hätte das anders gemacht, guck mal, wie schief der Siphon jetzt sitzt, aber gut ...“), Vorbereitung und Montage der neuen Bohlendecke („Ich hätte die nicht von oben auf die Balken, sondern von unten dran gemacht. Das wäre an der Wand ein sauberer Abschluss gewesen, aber gut ...“), Abschleifen, Ausbürsten, Ausbessern und Lackieren der alten Türen („Unmöglich dieser neue Haltegriff, den mein Schwiegersohn da dran gemacht hat. Zerstört den ganzen Eindruck. Ich mach mal einen aus alter Eiche ...“).

Das nimmt erst mal keine Ende. Also das Arbeiten an den Details. Man sieht erst nicht, wo sich die Arbeit überall versteckt hält. Aber niemand muss sich sorgen: Sie findet einen.

Im Bild: Opas Rücken beim Reparieren der Natursteinwand im zukünftigen Damenklo.

Juli 2018: Opa auf dem Dach

Opa Gerd (Foto links) hat den alten Kamin bis zum Dachboden abgetragen und neu wieder aufgemauert. Ungewohnte Rollenverteilung: diesmal sitzt Ernst Schreiner, unser Dachdecker, daneben und kommentiert.

Juli 2018: das Gesindehaus wird umgebaut

„Gebäude 4“, wie es im Bauantrag heißt, oder „der Klinkerbau“, wie wir sagen, wird nun angegriffen. Gerd Welzbacher aus Staden und seine Männer stellen das Gerüst, und der Dachdeckerbetrieb von Ernst Schreiner reißt das alte Dach ab. Wie schon im Gästehaus: Neue Gauben, eine starke Isolierung, ein neuer Boden im Dachstuhl. Die Statik wird gerichtet. Auf der Hofinnenseite entsteht ein Anbau von zwei Metern Breite. Das ganze Gebäude wird zu zwei Dritteln mit Lärchenholz verschalt.

Aus dem ehemaligen Gesindehaus ohne Wasser und Strom wird bald ein schmuckes Ferienhaus, das mit seinen dann drei Doppelzimmern alternativ auch als Überlaufbecken für den Seminarbetrieb fungieren kann. Mitte September wollen Ernst, Nico und Niklas mit Dach- und Fassadenarbeiten fertig sein.

Im Bild: Sonne streichelt Giebel von G4.

Juni 2018: Melli fehlt

Na ja, ‚Ende Juni alles fertig sein in der Destille‘... Manchmal kommt es anders. Die Chefin ist im Mai erkrankt, und alles, wirklich alles auf der Baustelle geht irgendwie langsamer. Ihre Besuche fehlen. Die Männer sorgen sich. Ihr Lachen und ihre komplett unnötigen technischen Kommentare, das ehemalige Haar – äh – Salz in unseren Suppen. Weg. Einfach fort.

Drei Monate wird es dauern, bis sie wieder richtig auf den Beinen ist. Bis dahin stehen andere Dinge als die Bauerei oben auf der Agenda.

Irgendwie kommt trotz der angezogenen Handbremse der Bauherrschaft doch alles voran. Kurt Velten & Söhne aus Florstadt erweitern und modernisieren Heizung und Warmwasseranlage. Die große Scheune wird zweifach – einmal für Pferde und einmal für Menschen – mit Trinkwasser versorgt. Quer über den Hof verläuft jetzt ein Nebenarm des Suez-Kanals.

Mai 2018

Der Ringanker hat inzwischen einen Aufbau bekommen. Eine 1,80 m hohe Mauer hebt die Raumhöhe auf 5 Meter. Und einen kleinen Bruder hat er jetzt auch: Die Mauer wird von einem kleinen Ringanker gesäumt (20 auf 20 cm). Im Mai haben wir dann da oben drauf eine Holzbalkendecke eingezogen, isoliert und verschalt. Die verspachtelten Rigipsplatten müssen zum Schluss abgeschliffen werden. Was für eine Sauerei. So entstehen Schneemänner im Mai. Bis Ende Juni soll alles startklar sein: Streichen, Elektro, Sanitär ... Die Zeit rennt.

Ende März

Die Geschmäcker sind verschieden. Nach dem Fällen der großen Kirsche und dem Abreißen der Efeufassade haben Dieter und sein Sohn sich an das Abwaschen, Abschleifen, Auskratzen und neu Versiegeln, Grundieren, teilweise neu Verputzen und schließlich an den Anstrich vom Gästehaus gemacht. Neun verschiedenen Farbtöne, Gold eingeschlossen, sollen es werden. Melli entwirft einen Plan, wie sich die Farben verteilen. Ihr Arrangement der Farbflächen bringt Ruhe und Harmonie in das bunte Ensemble. „Hundertwasser“, „Villa Kunterbunt“, „Ihr seid total verrückt“, „ich sag mal: gewöhnungsbedürftig“.

Wir erleben ein Anwachsen des Baustellentourismus und sind dankbar, dass wir vom Denkmalschutz verschont sind. Ein guter Freund bestätigt der Weidgasse 12 in Dauernheim jetzt ein „Top Karma“. Was willst Du mehr?

Mitte März

Paul, der Pumpenwagenfahrer, flucht: „Das gäht doch gaarrrnich“. Natürlich geht es am Ende trotzdem. Nicht zuletzt, weil Paul uns 1a dirigiert.

Der Beton für den Ringanker kommt. Fünfeinhalb Kubikmeter oder 10 Tonnen. Mit vier Mann turnen wir innen auf dem Gerüst ‘rum, um den zehn Meter langen, verflixt schweren Schlauch zu bändigen, der in Stößen die 5.500 Liter Beton oben in die knapp dreißig Meter lange Schalung pumpt. Wir lernen lustige neue Worte kennen: „Kloppzwinge“, „Schwuppstange“ und „Betonfieber“ sind unsere Favoriten.

Anfang März 2018

Während der Befüllung des Ringankers mit Beton wechselt viel schlechtes Deutsch den Besitzer. Nach zwei Stunden Einfüllen ist es geschafft. Die Schalung hält. Ostern kann kommen.

Ende Februar

In einer Hauruck-Aktion reißen wir mit unserem Dachdecker Ernst Schreiner aus Eichelsdorf, seinen Leuten, Schwiegervater Gerd und einem Nachbarn das Dach vom Gästehaus ab. Das ist der eigentliche Auftakt zu den großen Baumaßnahmen.

In weniger als vier Wochen wird die Statik des Daches neu ausgelegt, die Zwischendecke entfernt, vier große Gauben werden gesetzt, die Sparren aufgedoppelt, zwischen den Sparren wird gedämmt, brandschutzgerechte Fensteröffnungen werden in die Giebelseiten eingearbeitet und das Ganze mit „Biberschwänzen“ neu gedeckt.

Frost und Schnee bremsen den Eifer von Ernst (auf dem Foto ganz in Orange) und seinen Leuten nicht: „Wir arbeiten uns warm.“

Mitte Februar

Teile der Außenwand der „großen Scheune“ tragen wir komplett ab, um sie von Grund auf neu zu setzen, damit die Wand stabilisiert wird, bevor wir oben 10 Tonnen Beton draufkippen. Um das tun zu können, wird das Dach und obere Fachwerk „abgesprießt“.

Das Sandsteingewände vom Haupteingang der späteren Destille hat Risse und Brüche. Außerdem ist die eine Seite abgesackt. Wir bauen es komplett aus. Ein Steinmetz klebt und dübelt den Sandstein fachgerecht wieder zusammen und schneidet Ersatzstücke aus einem alten Sandsteinsturz. Jetzt sitzt es fest und gerade.

Fünf Meter vom Schwellenbalken im Fachwerk sind verfault. Wir bauen sie aus und besorgen im Vogelsberg bei einem Zimmermann alte Balkenersatzteile. Detlef, unser Steineflüsterer, mauert die ehemalige Tür in der Fassade, die zum Plumpsklo führte, so zu, dass man deren Umrisse in der Mauer nicht mehr wiedererkennt. Bildschön.

Noch schöner: Jeder kann irgendetwas. Auf dem Bild stützt der Bauherr die gußeiserne Stütze in der Destille.

Anfang Februar 2018

9.2.2018 lautet das Datum auf dem Schreiben „Baugenehmigung“, ein dicker Packen Papier. Alles, was wir planen, dürfen wir – unter gewissen Auflagen – auch umsetzen. Ein großer Schritt für unser Projekt. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle, die uns dabei unterstützt haben und nicht zuletzt an das Bauamt unserer Gemeinde, den Gemeindevorstand und die Bürgermeisterin von Ranstadt und natürlich an das Kreisbauamt in Büdingen.Ein hohes Engagement und viel guter Wille, um beispielsweise beim Brandschutz praktikable Lösungen zu finden, deuten wir als ein gutes Omen. „Baubeginnanzeige“ raus – und los!

Auf dem Bild: Mias Kinderarbeit gehört natürlich dazu :-).

Ende Januar 2018

Die große Scheune hat einen schweren statischen Schaden. Vor Jahrzehnten, noch vor der Ära Römershäuser, ist in der Mitte die Decke über dem Kuhstall eingebrochen. Die beiden T-Träger, zwischen denen die Decke aufgespannt war, barsten, ihre Verankerung in der Grundmauer war eingerissen.

Die Mauer in der Mitte der Scheune verschob sich um 20 Zentimeter nach außen und drückte am Ende die hintere Außenwand nach Außen. Folge: Die aufgebauchte Wand wurde nass, die Fachwerkbalken sind verfault, aus den Lehmgefachen wachsen außen Bäume zur Nachbarseite von Kai und Verena. Generalsanierung ist angesagt.

Nach einigen Fachgesprächen die Lösung: Auf der Mauer um den Kuhstall soll eine Betonkrone von ca. 50 auf 30 cm Stärke gegossen, innen mit Moniereisen armiert. Von diesem „Ringanker“ aus werden dann alle statischen Fehler behoben.

Auf dem Bild: ein geborstener Stützbalken aus Eiche, der eigentlich oben den äußeren Querbalken halten soll.

Januar 2018

Die Grundmauer der Destille, also des Mittelteils der großen Scheune, ist überwiegend „trocken gesetzt“, d.h. heute kann man praktisch überall Steine einfach so herausziehen.

Sie besteht aus „Resten“ (Basalt, verschiedenen Sandsteine aller Größen und Formen), stammt aus verschiedenen Bauabschnitten und ist deshalb in sich sehr verschieden.

Die Wände sind zwischen 50 und 80 cm stark, schief, unterschiedlich hoch. Die oberen Reihen von Steinen liegen als Geröll drauf. Innen sind die Wände verputzt, doch der Putz ist wegen des Ammoniaks aus der Gülle im Kuhstall überwiegend marode.

Die Schalung wird Handarbeit vom Feinsten. Was wir am Anfang nicht wissen: Die Vorbereitung bis zum Gießen dauert insgesamt sechs Wochen. Ein echtes Schalungskunstwerk entsteht. Anfang Februar legen wir los.

Auf dem Bild: die abgesprießte Fassade.

Dezember 2017 bis Januar 2018

Die Baupläne sind fertig, die Unbedenklichkeitsbescheinigung vom Bauamt liegt vor: Wir können die Anträge auf Förderung im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms stellen. Die Strukturförderung im Wetteraukreis unterstützen uns wohlwollend. Wir scheinen gute Aussichten auf Förderung im neuen Jahr zu haben. Ein Baubeginn vor Förderzusage wird uns schließlich per Ende Januar eingeräumt.

Frida Blume spuckt in die Hände: los geht‘s!

November 2017

Vor dem Bau hat der Herr den Antrag gestellt. Von September bis Mitte November 2017 übersetzen wir unsere inzwischen herausgefilterten Ideen in Baumaßnahmen, verteilt auf drei Bauphasen. Unser Architekt Hartmut Kind formuliert daraus schließlich einen Bauantrag mit allen Schikanen und zeichnet uns schöne Bilder dazu. Alle unterstützen uns kräftig: Unsere Bürgermeisterin, der Gemeindevorstand, unser Bauamt auf der Gemeinde mit dem enorm netten Herrn Schädel, Tina und Matze, das Kreisbauamt in Büdingen, die Vorbesitzer, die neuen Nachbarn. Wir melden unsere ersten Gewerbe an: Schnapsbrennen und Keltern. Das Finanzamt erhält unsere Anmeldung und vergibt dafür Steuernummern (Yippee!). Die Strukturförderung vom Kreis navigiert uns zu den IKEK-Fördermitteln für die Dorferneuerung. Rüdiger Göth entwickelt ein erträgliches und wirksames Brandschutzkonzept. Handwerker geben Angebote ab, wir reservieren für 2018 Kapazitäten von Zimmerleuten, Dachdeckern, Elektrikern, Maurern, Steinmetz, Installateur, … Schwiegersohn in spe Jürgen Wolf nimmt die Haustechnikplanung in die Hand. In weniger als zehn Wochen steht ein Plan. Der Bauantrag wird eingereicht.

September 2017

Die Schnapsidee. Robert ruft an. „Du, es ist so weit. Die Behlens würden ihre kleine Destille verkaufen.“ Darauf geschielt hatte er schon vor längerer zeit. Robert, Jagdfreund und leidenschaftlicher Schnapsbrenner, kennt die Behlens gut. Jürgen Behlen, heute 80 Jahre alt, ist seit rund 50 Jahren Brennmeister. Mit stolzer und langer Familientradition, die mit dem „Echten Hessen“ bis ins 18 Jahrhundert zurück reicht. Wir fahren seine Frau und ihn in Marburg besuchen. Verhandeln kurz und schlagen erneut ein: Die Destille wird im Dezember 2017 auf dem Auenlandhof einziehen. Und Jürgen Behlen wird uns noch ein Jahr lang ausbilden. Wir beginnen, vom „Echten Oberhessen“ zu träumen, dem edlen Apfelbrand aus Dauernheim. Der erste Calva-Dauernheimer.

August 2017

Oh Gott – plötzlich ein Pferd! Richard, Dauernheims One-Man--Facebook, muss eines seiner Pferde einschläfern lassen. Die zurückbleibende Torina, eine hübsche 21jährige Trakehner-Stute, die Letzte aus seiner eigenen Zucht, kann nicht allein stehen. Mit seinen 72 Jahren würde er auch gern etwas kürzer treten.

Na klar kann sie zu uns. Wir versprechen Richard, bis Ende September auf unserem neuen Hof einen Stall samt Paddock herzurichten. Platz ist da ja genug. Parallel suchen wir ihren neuen Lebensgefährten und finden – Cellini, einen elfjährigen Wallach aus Butzbach. Aus September wird Oktober. Im Oktober ziehen die beiden, gewissermaßen als Vorhut, ein.

Auf dem Bild: Richard, Melli, Torina

September 2016

Im Spätsommer 2016 lassen wir zum ersten Mal mit mehreren Familien die traditionelle Apfelkelter wieder aufleben. Einen Mußer, eine Presse, reichlich Speidel-Fässer, ein paar Apfelbäume, fertig los. 
Wir lesen drei Tonnen Äpfel und pressen daraus etwa 1.800 Liter vom honigfarbenen Most. Halbehalbe Süßer und Saurer sind die Frucht von rund drei Tagen Arbeit mit vier Familien. Den Männern tut das Kreuz weh. Und doch: So kann es weiter gehen.

Juli 2016

Mit Hilfe unseres Freundes Matze findet uns im Juni Dauernheims schönste Hofreite, ein Vierseithof, wie er nicht mal im Buche steht. Innerhalb eines Wochenendes sind wir sicher: Die ist es! Die Verkäufer schlagen ein. Im Juli 2016 beurkunden wir mit Familie Römershäuser den Kaufvertrag. Die langjährigen Bewohner des Anwesens, die beiden Rentner Erwin und Linda, suchen ab sofort eine Wohnung in Bad Vilbel, näher bei ihren Kindern. Ende Oktober 2017 wird es so weit sein: Schlüsselübergabe. Bis dahin: Ideen sammeln. Ein Ensemble aus fünf großen Gebäuden plus „Bienenhaus“ im Garten, direkt an der Nidda gelegen. Was soll das werden? Sehr viele Ideen werden in den kommenden Monaten ein- und wieder ausziehen. Von der Alten-WG über ein Heim für Teenies mit Sorgen und Nöten bis hin zu einem Mikro-Gewerbepark für Medienschaffende. Und dann geht alles ganz schnell.